Kläranlagen und Natur von oben, symbolisieren nachhaltige Wasserwirtschaft im GreenTech Bereich
Technology

Phosphor Rückgewinnung

Phosphor-Rückgewinnung schließt Nährstoffkreisläufe, reduziert Abfall und schafft wertvolle Rohstoffe für nachhaltige Landwirtschaft und Industrie.
Date:

Technology Check

Technology Readiness Level (TRL)

How ready is the technology?
1
2
3
4
5
6
7
8
9

Market Readiness

When will the technology be ready for the market?
Heute
2030
2035
2040

Étendue

In which scope according to the GHG Protocol does the technology operate?
1
2
3

Economic Efficiency

What is the ratio of financial investment to generated benefit?
€€
€€€

Potential reduction in environmental impact

How much can the negative environmental impact be reduced by using this technology compared to conventional methods?
Groß Mittel Klein

Definition und Wirk-/Funktionsprinzip

Phosphorrückgewinnung aus Abwasser ist eine zentrale Technologie der Kreislaufwirtschaft, da Phosphor ein essenzieller und begrenzter Rohstoff ist. Technisch etablierte Verfahren nutzen unterschiedliche Rückgewinnungspfade. Die Struvit-Kristallisation scheidet gelösten Phosphor aus Prozesswässern, insbesondere Faulschlammfiltraten, durch Magnesiumzugabe und pH-Anhebung als Magnesium-Ammonium-Phosphat aus. Das Produkt ist stabil, schwermetallarm und direkt als Düngemittel nutzbar. Industriell eingesetzte Verfahren sind Ostara® Pearl™, PHOSPAQ und ANPHOS.

Die Rückgewinnung aus Klärschlamm und Klärschlammasche gewinnt an Bedeutung. Der im Schlamm gebundene Phosphor wird thermisch konzentriert und chemisch oder thermochemisch extrahiert. Dies ermöglicht den Zugriff auf den Großteil des Gesamtphosphors, unabhängig von dessen Löslichkeit, insbesondere in großen Kläranlagen. Etablierte Verfahren sind AirPrex® und NuReSys®.

Zudem werden elektrochemische und kombinierte chemisch-physikalische Verfahren entwickelt, die Phosphor direkt aus Abwasser abscheiden und den Einsatz externer Chemikalien reduzieren. Diese Technologien markieren den Übergang von reiner Schadstoffelimination zur ressourcenorientierten Abwasserbehandlung, bei der Phosphor gezielt in industrielle und landwirtschaftliche Kreisläufe zurückgeführt wird.

Technologie Abwasserreinigung - Schaubild
Phosphorrückgewinnung - Schaubild (DITF)

SWOT analysis

What are the current strengths and weaknesses of the technology? What external developments (opportunities, risks) influence the technology?

Strengths

  • Rückgewinnung eines begrenzten, strategischen Rohstoffs (Phosphor)
  • Reduzierte Eutrophierung in Gewässern durch gezielte P-Abtrennung
  • Kommerzielle Umsetzung möglich (Struvit-Kristallisation, CAPEX/OPEX überschaubar)
  • Produktion eines stofflich nutzbaren Endprodukts (Düngemittel)
  • Integration in bestehende Kläranlagen realisierbar
  • Beitrag zu Kreislaufwirtschaft und ESG-Zielen

Weaknesses

  • Betriebskosten (Chemikalien, Energie) können höher sein als bei reiner Fällung ohne Rückgewinnung
  • Rückgewinnungstechnologien wie thermische oder elektrochemische Verfahren noch teilweise teuer oder nur teilweise kommerziell
  • Abhängigkeit von konzentrierten Phosphorströmen für wirtschaftliche Effizienz
  • Komplexität bei Integration in bestehende Prozesse

Opportunities

  • Gesetzliche Anforderungen (z. B. EU-Phosphor-Rückgewinnungspflicht ab 2029) erhöhen die Nachfrage
  • Verkauf des Struvit-Produkts als Dünger generiert zusätzliche Einnahmen
  • Skalierbarkeit: Kombination von Struvit-Kristallisation und thermischer Aufbereitung ermöglicht Maximierung der P-Rückgewinnung
  • Reduzierung von Treibhausgasemissionen und chemischem Fällmittelbedarf → Beitrag zur Nachhaltigkeit und CO₂-Bilanz
  • Technologische Weiterentwicklung (Elektrochemie, Hybridverfahren) kann Effizienz und Reinheit erhöhen

Threats

  • Marktpreis für Düngemittel kann Wirtschaftlichkeit beeinflussen
  • Schwankende Abwasserzusammensetzung kann Kristallisationseffizienz beeinträchtigen
  • Wartungsintensität (Verkalkungen, Pumpen, Rührwerke) kann Betriebskosten erhöhen
  • Fehlende Akzeptanz oder regulatorische Hindernisse bei Vermarktung der P-Produkte
  • Konkurrenz zu anderen Nährstoffrückgewinnungstechnologien oder neuen synthetischen Düngemitteln

Erfolgsbeispiel

  • In Baden-Württemberg umgesetzt: Das P‑XTRACT®‑Verfahren von WEHRLE‑WERK AG zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlammverbrennung ist in einem Projekt des Abwasserzweckverbands Staufener Bucht bei Bad Krozingen (Südbaden) im Einsatz. Dieses Verfahren kombiniert thermische Verwertung mit der Extraktion phosphorreicher Asche.
    Zum Erfolgsbeispiel
  • Emter GmbH betreibt eine großtechnische Anlage zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm auf Basis des AshDec®‑Verfahrens der Bundesanstalt für Materialforschung und ‑prüfung (BAM).
    Zum Erfolgsbeispiel
  • Phosphorgewinnung Schkopau GmbH (PGS) – GELSENWASSER + EasyMining
    Errichtet die erste Ash2Phos‑Anlage zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlammasche in Sachsen‑Anhalt. Technologie basiert auf dem Ash2Phos‑Verfahren, das Phosphor aus Asche extrahiert und hochwertige Phosphorprodukte erzeugt.
    Zum Erfolgsbeispiel
  • REMONDIS Aqua – TetraPhos®‑Technologie
    Deutscher Dienstleister mit eigener Technologie zur P‑Rückgewinnung aus Klärschlammasche, bei der hochreine Phosphorsäure gewonnen wird.
    Zum Erfolgsbeispiel

Source