GreenTech BW TechTalk: Remanufacturing verstehen, gestalten, umsetzen

– Strategien für die Industrie von morgen

Lösungen für die Industrie von morgen im TechTalk 

Der TechTalk präsentiert in vier Terminen á 1 Stunde beispielhafte technische Lösungen und Anbieter, die Unternehmen auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität unterstützen. Im Anschluss an jeden Talk sind die Teilnehmenden dazu aufgerufen, gemeinsam zu diskutieren, Chancen und Herausforderungen zu eruieren und Fragen zu stellen. Dieses Mal im TechTalk: Remanufacturing.

Wer das Potenzial von gebrauchten Produkten erkennt, kann daraus wirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Remanufacturing und Refurbishment bereiten zurückgeführte Produkte systematisch wieder auf, senken Materialkosten und erschließen zusätzliche Erlösströme – wirtschaftlich attraktiv und ökologisch sinnvoll zugleich.

Doch wie unterscheiden sich Remanufacturing und Refurbishment eigentlich voneinander? Remanufacturing stellt Produkte wieder her, die Neuprodukten in Funktionalität und gesetzlicher Konformität entsprechen, während Refurbishment voll funktionsfähige Gebrauchtprodukte bezeichnet. Damit einhergehend gelten auch unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen für die beiden Ansätze.

Im GreenTechBW TechTalk haben wir Remanufacturing und Refurbishment in vier praxisnahen Sessions beleuchtet: von wirtschaftlichen Auswahlkriterien für geeignete Produkte über Rückhollogistik und praktische Aufarbeitungsprozesse bis hin zur erfolgreichen Vermarktung wiederaufbereiteter Produkte. 

Remanufacturing verstehen, gestalten, umsetzen

Wann lohnt sich Remanufacturing?

Ob sich ein Produkt für Remanufacturing oder Refurbishment eignet, hängt von verschiedenen Auswahlkriterien ab:

Produktbezogene Kriterien

  • Hoher Neupreis oder wertvolle Materialien
  • Stabile Produktgenerationen
  • Planbare Rücklaufkanäle

Prozessbezogene Kriterien

  • Gute Zertifizierbarkeit
  • Handhabbare Qualitätsanforderungen
  • Möglichkeit, Prozesse wirtschaftlich zu skalieren

Diese Kriterien helfen Unternehmen, wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Produkte auszuwählen und bilden die Grundlage dafür, dass Rückführungsprozesse und industrielle Aufbereitung effizient umgesetzt werden können. Ein Produkt muss jedoch nicht alle genannten Kriterien erfüllen, um geeignet zu sein. Schon das Vorhandensein einiger Faktoren kann ausreichen, um eine Aufbereitung wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll zu machen.

Rückhollogistik erfolgreich organisieren

Eine effiziente Rückführlogistik ist das Rückgrat erfolgreichen Remanufacturings und Refurbishments: 
Nur wenn gebrauchte Produkte planbar, sicher und wirtschaftlich zurück ins Unternehmen gelangen, können sie wiederaufbereitet werden. 

Entscheidend sind dabei Transparenz, Anreize für Rückgaben und eine einfache Abwicklung für den Kunden. Digitale Plattformen und KI-gestützte Prozesse helfen im Idealfall dabei, diese komplexen Vorgänge zu managen. So können beispielsweise Bilderkennungssysteme bestimmte Teile automatisch identifizieren, die Auswahl und Befundung unterstützen und die Transportprozesse optimieren. Im Bereich der grünen Technologien gibt es Bereits zahlreiche Anbieter, die sich mit der Rückhollogistik auseinandersetzen. 

In der Praxis bedeutet das: klare Transportprozesse, pfandbasierte oder Mietmodelle für Mehrwegbehälter, korrektes Behältermanagement und standardisierte Abläufe für Sortierung, Lagerung und Versand. 

Eine gut organisierte Rückhollogistik sichert die Qualität der zurückgeführten Produkte und schafft die Grundlage für ihre hochwertige Wiederverwendung, Aufbereitung oder Neufertigung – ein zentraler Hebel für Unternehmen, die ihre Ressourceneffizienz steigern wollen.

Demontage, Befundung und Aufbereitung in der Praxis

Nachdem Unternehmen Produkte anhand wirtschaftlicher und technischer Kriterien ausgewählt und sicher zurückgeführt haben, folgt der Kern der industriellen Aufbereitung. In der Praxis durchlaufen Maschinen und Komponenten dabei üblicherweise die Prozessschritte „Demontage, Reinigung, Remontage und Prüfung“. So entstehen im Remanufacturing Produkte auf Neuprodukt-Niveau, während beim Refurbishment voll funktionsfähige Gebrauchtprodukte wieder in den Markt gelangen – ein zentraler Bestandteil zirkulärer Geschäftsmodelle. 

Mit einem fundierten Verständnis der erforderlichen Fertigungsverfahren, der Arbeitsintensität sowie der Maschinenanforderungen und Umrüstzeiten lassen sich diese Prozesse gezielt optimieren. Gleichzeitig entstehen wertvolle Erkenntnisse für das zukünftige Produktdesign – mit dem Ziel, Aufbereitung wirtschaftlicher, effizienter und skalierbarer zu gestalten. Studien zeigen, dass beim Remanufacturing die Arbeitsintensität halbiert werden könnte, wenn der Automatisierungsgrad dem von Neuprodukten entspricht.

TechTalk Remanufacturing
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Wiederaufbereitete Produkte erfolgreich vermarkten

Wiederaufbereitete Produkte verkaufen sich nicht von selbst. Entscheidend ist die richtige Positionierung: Refurbished, Remanufactured oder Upcycled dürfen nicht wie Restposten wirken, sondern müssen als qualitativ hochwertige Alternative zum Neuprodukt wahrgenommen werden.

Praxisbeispiele aus dem GreenTechBW TechTalk zeigen, warum das funktioniert: Unternehmen aus dem Bekleidungs- und Konsumgüterbereich integrieren zirkuläre Produkte fest in ihr Kerngeschäft. Das Ergebnis: höhere Kundenbindung, neue Zielgruppen und eine klare Premiumpositionierung am Markt. 

Ein aktuelles Beispiel aus dem TechTalk ist ein Unternehmen aus der Elektrobranche: Rund ein Drittel der Kundschaft im Refurbished-Programm sind Neukunden, die sich Produkte erstmals leisten können – bei gewohnter Markenqualität. Die neuen Angebote kannibalisieren die bestehende Kundschaft nicht, sondern erschließen eine komplett neue Zielgruppe.

Für den Markterfolg zählen dabei vier Faktoren

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Qualität
  • Vertrauen
  • Nachhaltigkeit

Dabei ist Nachhaltigkeit selten allein kaufentscheidend, beeinflusst aber die Wahrnehmung von Qualität und Marke maßgeblich. Besonders wichtig ist das Wording: Begriffe wie Remanufactured, Refurbished oder Upcycling steuern die Erwartungshaltung der Kunden.

Richtig kommuniziert, werden wiederaufbereitete Produkte damit vom „Second Life“ zum Wachstumstreiber – ein entscheidender Aspekt für Unternehmen der GreenTech Branche, die zirkuläre Geschäftsmodelle erfolgreich im Markt etablieren möchten.

Zirkuläre Prozesse von der Produktauswahl über Rückführung und Aufbereitung bis hin zur Vermarktung verwandeln gebrauchte Produkte in wirtschaftlich attraktive Wertträger und stärken nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

 

Für ihre fachlichen Impulse und fundierten Einblicke im Rahmen des TechTalks gilt diesen Speaker:innen besonderer Dank:

Maximilan Mauracher | NEW STANDARD.STUDIO GmbH
Matthias König | allsafe GmbH & Co. KG
Richard Stechow | Seconds, formerly BMI Lab
Karlkristian Dischinger | Fachspedition Karl Dischinger GmbH 
Markus Wagner | Circular Economy Solutions GmbH
Thomas Rauser | TRUMPF
Hannes Geist | INATECH Uni Freiburg

TechTalk am 10. März

Im nächsten GreenTech BW TechTalk dreht sich dann alles um Carbon Management: COabscheiden, nutzen, transportieren, speichern.Los geht es am 10.März