Mineralisierung
Technologie-Check
Definition und Wirk-/Funktionsprinzip
Bei der Mineralisierung wird CO2 dauerhaft in stabile mineralische Carbonate umgewandelt.
Das wichtigste Produkt ist:
Kalziumcarbonat (CaCO3)
→ wird eingesetzt als:
- Füllstoff in Kunststoffen,
- Lebensmittelzusatzstoff,
- Düngerbestandteil,
- Zuschlagstoff in Beton oder Baustoffen
Mineralisierung ist ein Stand-Alone-Prozess mit direkter CO2-Nutzung.
Energiebedarf: 5 MWh/t Produkt (mittlerer Bereich).
Strombedarf ist prozessabhängig, aber geringer als bei elektrochemischen Verfahren.
Mineralisierung zählt zu den wenigen Technologien, die CO2 dauerhaft binden.
SWOT-Analyse
Stärken
- Dauerhafte CO2-Bindung
- Hoher TRL (9) → industriell verfügbar
- Mittlerer Energiebedarf (5 MWh/t)
- Breite industrielle Anwendung (Baustoffe, Dünger, Lebensmittel, Kunststoffe)
- Stand-Alone-Prozess ermöglicht direkte CO2-Nutzung ohne Vorstufen
Schwächen
- Geringe Produktdiversität
- Begrenzter Marktwert von Carbonaten → niedrige Marge
- Materialtransport und Verarbeitung häufig volumenintensiv
- Produktqualität kann schwanken, abhängig vom CO2-Strom und Materialinput
Chancen
- Großer Bedarf in der Baustoffindustrie, besonders in klimafreundlichen Betonkonzepten
- Politische Unterstützung durch EU und nationale Strategien („Carbon Removal“)
- Möglichkeit der Nutzung von abfallbasierten Mineralfraktionen (z. B. Schlacken)
- Kann in lokale industrielle Cluster integriert werden (Zement, Stahl)
Risiken
- Wettbewerb mit natürlichem CaCO3, das oft günstiger und in hoher Qualität verfügbar ist
- Die Umweltbilanz kann negativ sein, wenn der Prozess nicht mit erneuerbarem Strom betrieben wird
- Logistische Herausforderungen bei großvolumigen Stoffströmen
- Öffentliche Akzeptanz hängt von Materialeinsatz (z. B. Abfallstoffen) ab
Erfolgsbeispiel
In Baden-Württemberg umgesetzt: RECULAR GmbH & Co. KG / Neustark AG (Karlsruhe / Baden-Württemberg)
Im Februar 2025 wurde eine neue Rekarbonatisierungsanlage eröffnet — die dritte ihrer Art in Deutschland — mit Standort in der Region Karlsruhe. Dabei wird CO2 zu aufbereiteten Abbruchbeton gegeben, wodurch dieser mineralisch karbonatisiert und das CO2 dauerhaft gebunden wird. Zum Erfolgsbeispiel.
Parallel dazu wurde eine Pilotanlage der Heinrich Feeß GmbH & Co. KG in Kirchheim unter Teck (Landkreis Esslingen, BW) errichtet, um CO2 in recycelter Gesteinskörnung zu speichern — zur Herstellung von ressourcenschonendem Beton (R-Beton). Diese Anlage wurde vom Land Baden-Württemberg gefördert. Zur Pilotanlage.