Remanufacturing
Nachhaltige Wertschöpfung: gebrauchte Produkte technisch aufwerten, Ressourcen schonen und ökonomische Chancen in der Kreislaufwirtschaft nutzen.
Stand:
Technologie-Check
Definition und Wirk-/Funktionsprinzip
Das Remanufacturing (Wiederaufbereitung) ist ein industrieller Prozess, bei dem gebrauchte Produkte oder Komponenten auf ein neuwertiges oder besseres Qualitätsniveau zurückgeführt werden. Es geht deutlich weiter als Reparatur oder Recycling, weil das Produkt funktional, technisch und qualitativ wieder einem Neuprodukt entspricht – inklusive Garantie. Das Ziel besteht darin, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und somit Ressourcen zu schonen.
Die Arbeitsschritte des Remanufacturings nach DIN SPEC91472:2023-06 beinhalten:
- Rücknahme / Sammlung gebrauchter Produkte
- Produktidentitätsbestimmung und Sortierung nach Aufwand der Wiederaufarbeitbarkeit
- Zerlegung der einzelnen Komponenten und Sammlung der recyclebaren Abfälle
- Visuelle oder messverfahrensbasierte Begutachtung der demontierten Teile
- Entfernung von (Fremd-)Stoffen (Reinigung)
- Aufarbeitung der Komponenten zur Wiederherstellung der Funktionalität und ggf. zusätzliche Löschung aller Nutzerdaten bei elektronischen Speichermedien
- Zusammensetzung der aufgearbeiteten und ggf. neuen Teile zum Remanufacturing-Produkt
- Prüfung der Qualität, Funktionalität und Leistung
SWOT-Analyse
Welche aktuellen Stärken und Schwächen hat die Technologie? Welche externen Entwicklungen (Chancen, Risiken) beeinflussen die Technologie? Gibt es Normen und Vorgaben?
Stärken
- Reduzierte Umweltbelastung durch die erneute Nutzung von Ressourcen und die Verlängerung der Produktlebensdauer
- Einsparung von Energie, Wasser und Materialien (70-90%) und somit auch CO2 , da zumeist weniger Ressourcen benötigt werden als bei der Herstellung neuer Produkte
- Wiederaufbereitete Produkte kosten oft weniger in der Herstellung als Neuprodukte
- Wiederaufbereitete Produkte können verbesserte Eigenschaften erreichen durch neue Materialien, wie Beschichtungen
- Unternehmen, die an der Wiederaufbereitung von Produkten beteiligt sind, werden von umweltbewussten Verbraucher:innen oft positiv wahrgenommen, was ihr Markenimage und ihre Kundentreue stärkt
- Erhöhung der Resilienz durch Verwendung von Sekundärmaterialien, geringere Abhängigkeit von Lieferengpässen und Rohstoffpreisen
- Entwicklung und Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle
Schwächen
- Die Aufrechterhaltung einer gleichbleibenden Qualität bei wiederaufgearbeiteten Produkten kann eine Herausforderung sein (ggf. werden Produkte als minderwertig wahrgenommen)
- Die Wiederaufbereitung ist möglicherweise nicht für alle Produktarten oder Branchen geeignet (z. B. schwierig für komplexe Produkte oder Produkte mit einer geringen Stückzahl)
- Die Einführung eines Wiederaufbereitungsverfahrens erfordert erhebliche Vorabinvestitionen in Ausrüstung, Forschung und Entwicklung
- Variantenvielfalt der Produkte erhöht Wiederaufbereitungsaufwand
- Logistische Herausforderung beim Sammeln, Transportieren und Lagern von gebrauchten Produkten
Chancen
- Steigende Anforderung an zirkuläre Wirtschaft und eine nachhaltige Produktion
- Einführung gesetztlicher Rahmenbedingungen wie die EU-Ökodesign-Verodnung und der Digitale Produktpass beschleuningen die Etablierung am Markt
- Chancen für Kooperationen zwischen OEMs, Einzelhändlern und anderen Interessengruppen: Hierdurch kann die Reichweite und Akzeptanz von wiederaufbereiteten Produkten im Markt erhöht werden
- Möglichkeit zur Positionierung des Unternehmens als Vorreiter in der Etablierung von Remanufacturing im eigenen Geschäftsmodell, wie Leasing, "Pay per Use" oder "Product as a Service"
Risiken
- Die Wiederaufbereitung steht im Wettbewerb mit Herstellern, die neue Produkte anbieten, sowie mit den eigenen Neuprodukten
- Der rasche technologische Fortschritt kann dazu führen, dass Produkte schnell veralten und die Nachfrage nach wiederaufbereiteten Versionen älterer Modelle sinkt
- Fehlen standardisierter Verfahren für die Wiederaufbereitung
- Anschaffen von Neuteilen nur nach Bedarf; verhindert eine regelmäßig/kontinuierliche Produktionskette
- Hohe Varianz der wiederaufzubereitenden Produkte/Komponenten
- Hohe regulatorische Komplexität, wie Ce-Anforderungen, Produkthaftung und Normen, sowie die damit einhergehende Dokumentationspflicht ist mit sehr hohem Aufwand verbunden
- Ein funktionierendes Rücknahmesystem ist Grundvoraussetzung für eine Skalierbarkeit
Erfolgsbeispiele
- In Baden-Württemberg umgesetzt: Kärcher hat innovative Geschäftsmodelle aufgesetzt, um die eigene Marke zu stärken.
Zum Erfolgsbeispiel - Bosch-Rexroth hat sich Nachhaltigkeitsziele gesetzt und versucht bei den eigenen Produkten eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Am Beispiel der elektrischen Antriebe wird sowohl die Sammlung alter Antriebe, deren Aufbereitung als auch die wieder Inverkehrbringung abgedeckt. Damit schaffen sie es bis zu 50% des CO2 eines Neuproduktes einzusparen.
Zum Erfolgsbeispiel
Technologieanbieter
Möglicher Technologieanbieter aus Baden-Württemberg: ZF Friedrichshafen AG