Success example

Schatzsuche im Prozessabwasser

Rückgewinnung von Palladium aus Prozesswässern einer Kunststoff-Galvanik

Key Technologies

  • Resource and material efficiency

Industry

  • Manufacturing
Stadt:
4,9 kg

Palladium recycelt (2024)

200.000 €

Materialwert zurückgewonnen

30.000 kg CO₂-Einsparung

je kg rückgewonnenem Palladium

Logo Hansgrohe Group
Company name:
Hansgrohe Group

Die Hansgrohe Group mit Sitz in Schiltach ist mit ihren Marken AXOR und hansgrohe ein in Innovation, Design und Qualität führendes Unternehmen der Bad- und Küchenbranche. Mit seinen Armaturen, Brausen und Duschsystemen gibt Hansgrohe dem Wasser Form und Funktion. Ihre hohen Qualitätsstandards gewährleistet die Hansgrohe Group durch die Produktion an sieben eigenen Produktionsstandorten.

Die weltweite Palladiumknappheit und der hohe industrielle Bedarf machen effizientes Recycling zunehmend unverzichtbar. Die Hansgrohe SE gewinnt mit einem innovativen Verfahren Palladium aus Spülwässern der Kunststoffgalvanik zurück und schließt so den Kreislauf des wertvollen Edelmetalls.

Ausgangssituation

In der Kunststoffgalvanik der Hansgrohe SE in Offenburg wird Palladium in sehr geringen Konzentrationen eingesetzt. Dennoch entstehen am Ende des Prozesses palladiumhaltige Schlämme, die bislang als gefährlicher Abfall entsorgt werden mussten.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Palladiumknappheit und des hohen industriellen Bedarfs entstand der Wunsch, das eingesetzte Edelmetall aus den Prozesswässern zurückzugewinnen und in den Stoffkreislauf zurückzuführen.

Lösung

Seit 2018 arbeitet die Hansgrohe SE an der Rückgewinnung von Palladium aus Prozesswässern der Kunststoffgalvanik. Seit 2021 wird eine entsprechende Anlage im Regelbetrieb eingesetzt und ermöglicht einen geschlossenen Materialkreislauf.

Das Palladium im Wasser ist mit Zinn verbunden. Um die Stoffe zu trennen, kommt Wasserstoffperoxid zum Einsatz. Dies ist einer Optimierung aus dem Jahr 2024 zu verdanken: Seiter wird statt Natronlauge Wasserstoffperoxid eingesetzt, wodurch keine giftigen Zerfallsprodukte entstehen und Ablagerungen auf den Ionenaustauschern vermieden werden. Nach der Trennung der Zinn- und Palladiumverbindungen wird das Palladium unter angepassten pH-Bedingungen über Ionenaustauschervliese adsorbiert.

Während die Definition und Pilotierung des Verfahrens komplett in der Hand von Hansgrohe lag, wurde die anlagentechnische Realisierung von der aqua plus - Wasser- und Recyclingsysteme GmbH übernommen. Die Textilvliese wurden vom Deutschen Textilforschungsinstitut Nord-West (DTNW) entwickelt. Das Projekt wurde durch einen internen Budgettopf für Nachhaltigkeitsprojekte gefördert.

Hansgrohe Beispiel

Ergebnis

Durch das Verfahren können wertvolle Palladiummengen aus Prozesswässern zurückgewonnen werden. Im Jahr 2024 wurden rund 4,9 kg Palladium recycelt, die zuvor mit anderen Abfällen verloren gegangen wären. Dies entspricht einem Materialwert von ca. 200.000€. 

Damit wird der Einsatz von Primärmaterial reduziert und der Ressourcenkreislauf geschlossen. Aufgrund des hohen Emissionsfaktors von Palladium können zudem erhebliche CO₂-Emissionen vermieden werden: Rund 30.000 KG COEinsparungen fallen pro Kilogramm Palladium an. 

Das Projekt zeigt, wie industrielle Recyclingprozesse zur Rückgewinnung kritischer Rohstoffe beitragen und als Vorbild für weitere Branchen dienen können. Die Technologie kann in allen Kunststoff-Galvaniken eingesetzt werden – auch über die Sanitärbranche hinweg, z. B. in der Automobil-, Schmuck-, Elektronik- oder Dentalindustrie.

Hansgrohe Ionenaustauscher
Hansgrohe SE

Ansprechpartner:in

Tim Werbeck

Spezialist Galvanotechnik & Equipment

Hansgrohe Group
Auestr. 5-9
77761 Schiltach
Germany

David Zapf

Prozessingenieur Kunststofftechnik und Oberflächentechnik

Hansgrohe Group
Auestr. 5-9
77761 Schiltach
Germany

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